Mittwoch, 28. September 2011

new flue

Hallo zu Hause!

hier in Sucre sind seit heute 2 Schulen geschlossen, weil H1N1 um sich schlaegt. In Santa Cruz sind bereits 3 Schulen betroffen, 1 Kind sei schon daran verstorben.
Ausserdem ist heute Generalstreik bei den Dienstleistern im Lande, der Grund dafuer steht im vorhergehenden Artikel. Irre, wie sehr die Menschen hier Demokratie in die Hand nehmen. Dadurch ist die Stadt erstaunlich ruhig - keine hupenden Taxis und Micros.
Entschuldigt bitte das Layout des vorherigen Eintrages, aber das krieg ich hier nicht besser hin...

http://www.fairunterwegs.org/uploads/tx_hfcountries/Bolivien_klein.jpg

bilderbuch mit bitterurwaldbeigeschmack

Monatelang standen in Bolivien die Zeichen auf Konfrontation, nun ist es so weit: Seit Montag marschieren hunderte Indígenas aus dem Tiefland von der Provinzhauptstadt Trinidad in Richtung La Paz. Ziel ist der Sitz von Evo Morales, gut 600 Kilometer entfernt in den Anden, den sie in sieben Wochen erreichen wollen.
Der Präsident hält an einer Überlandstraße durch den artenreichen Nationalpark Isiboro-Sécure fest und provoziert damit den größten Konflikt seiner fünfeinhalbjährigen Regierungszeit.

(...) In dem über 1.200 Quadratkilometer großen Nationalpark leben 69 Indianergemeinschaften, insgesamt gut 5.000 Menschen, die den Völkern der Mojeños, Yuracarés und Tsimanes angehören. Ihre Sprecher beharren auf dem "Recht auf vorherige Konsultation", das nicht nur im Rahmen der UNO, sondern auch in der neuen bolivianischen Verfassung garantiert ist.

Alternativroute gefordert

Vor allem befürchten sie, dass Kokabauern aus dem Chapare, die den Straßenbau vehement befürworten, weiter in den Nationalpark eindringen. Deshalb fordern sie eine Alternativroute. Doch Morales will davon nichts wissen. (...)

Straßenbau in Boliviens Amazonas-Gebiet
"So nicht!" Präsident Morales muss den Protesten der Ureinwohner gegen eine Fernstraße durch das Natur- und Indianerschutzgebiet Isiboro-Sécure nachgeben.

Die bolivianische Utopie vom guten Leben - der geplatzte Traum
In Bolivien haben Bauern und Arbeiter einen neuen Staat gegründet. Allen sollte es besser gehen. Ein großartiger Plan, der nicht funktioniert. Warum?
Quelle: TAZ




Montag, 26. September 2011

coca kauen und solche dinge

seit einer woche nun bin ich hier, ich verbrenne mir noch immer taeglich die haut und sehe kleine dinge, die mich erfreuen. meine zimmernachbarin, eine Quebecianerin, spuckt noch immer jede nacht. ich versuche, ueber dieses land und diese leute zu lernen. ich kann nicht verhandeln auf dem markt. heute ein ausflug nach tarabuco, einer 3000-seelen stadt, in der ein pferd 180 und ein esel 90 euro kostet auf dem markt. die kartoffel, die mit ei ummantelt ist, kostet 1 Boli. auf dem markt dieser stadt gab es charangas (eine art gitarre), die tatsaechlich aus guerteltier gemacht waren.

die stadt sucre heisst auch "die weisse stadt". weiss steht fuer frieden, bildung und kultur. sagte unser guide heute, der sonst leider nicht so viel wusste. ich weiss auch nicht, tagsueber habe ich immer viele einfaelle, was ich denn mal hier schreiben koennte, aber jetzt ist das irgendwie alles weg.

dieses wochenende gab es durchaus einige spannende begegnungen, die mir aber auch wieder aufgezeigt haben, dass ich mir nahe stehende menschen schon vermisse hier. aber spass habe ich dennoch in diesem land!

beste gruesse,
chrissi

Montag, 19. September 2011

bienvenidos en Sucre


Heute sieht die Lage schon ein wenig anders aus. Eine heisse Dusche und etwas zu Essen hat schon durchaus geholfen, in eine goldenere Stimmung zu kommen. Und wohl auch die Tatsache, erstmal zu wissen, wo man in den naechsten Wochen sicher untergekommen ist.

Heute bereits hatte ich meine erste Spanischstunde und eine kleine Stadterkundung hinter mich gebracht. Ich bin sehr angetan von der Stadt hier! Klaro, dass ich mich wieder am laengsten am Markt aufgehalten habe. So viel frisches Obst und Gemuese und Leckereien... Sophie, ich denke stark an Dich, wenn ich mal wieder ohne zu handeln Obst kaufe! Dort habe ich auch eine wunderbare Frucht entdeckt, die sich Chirimoya nennt und, haltet euch fest, nach Hefeweizen schmeckt, nur noch viel viel besser!
Die lange Busfahrt hierher hat mich zumindest in den Morgenstunden, in denen es dann wieder hell war, hellauf begeistert. Eine Fahrt auf kargen Schotterpisten mitten durch die Berge, so mag ich das. Und dann schraubt sich das Ungetuem von Bus die letzten Serpentinen hinauf nach Sucre, der weissen Stadt, die auf 2800 Metern Hoehe liegt, und muss 3 km vor dem Ziel stehen bleiben: die Strasse ist blockiert von Menschen, die friedlich demonstrieren, gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen, wenn ich das Recht verstanden habe.
Und auf der Busfahrt wiederum hat es sich bewaehrt, dass ich in der Schule, lange ists her, mal Franzoesisch gelernt habe. Dadurch hatte ich schon vor meiner Ankunft im Hostel in Sucre ein wenig Ansprache, wenngleich meine Worte auch nicht wirklich sprudelten.
Ich bin schwer beeindruckt von den Bolivianos hier, gegerbte Gesichter, Sonne, Hoehe, Wind und Wetter schreiben sich tief in die Gesichter der Menschen ein.
Es gibt also viel zu entdecken, und wenngleich ich in einem Teil meiner Gedanken noch immer sehr zu Hause haenge, fuehle ich mich hier inzwischen doch wohl. Ich merke immer wieder, wie sehr ich von Menschen um mich herum, mit denen ich reden kann, abhaenge.

Besos,











Chrissi

Sonntag, 18. September 2011

zeit, dass sich was dreht

vor drei Monaten habe ich das Zitat von Pamuk hier eingestellt und fuehlte mich so ziemlich eins mit dessen Inhalt.
und nun sitze ich hier am Busbahnhof in Santa Cruz de la Sierra, wo ich noch weitere 10 Stunden auf eine dann 13 stuendige Busfahrt warte, um dann irgendwann mal in Sucre anzukommen, und kann mich nicht mehr so recht einfinden in die Aussage der Pamukschen Worte.

Die Reise hierher verlaueft jetzt schon anders als die Reisen, die ich zuvor begangen hatte. Ich habe hauptsaechlich schrecklich abschreckende Geschichten ueber Bolivien gehoert und bin deshalb schon maechtig stolz auf mich, bisher noch nicht ausgeraubt, vergewaltigt oder umgebracht worden zu sein.
Den ersten Spanisch-Sprachkurs als Hoerbuch habe ich schon fast durch, hoffentlich schlaegt sich das auch bald in meiner Kommunikation nieder, die ist, mit Verlaub gesagt, noch sehr zaeh. Aber am meisten kommuniziere ich momentan sowieso in mich selbst hinein, versuche, den Kopf ueber Wasser zu halten. Nur manchmal gewinnt das Wasser, und dann rinnt eine Traene meine Wangen hinab. Vielleicht sollte ich an meinen Lidern ein Schild "nicht vom Beckenrand springen" aufhaengen. Mal sehen, wie lange wir noch miteinander rangeln werden.
Anders als frueher ist auch die Tatsache, dass ich bis zuletzt nicht mehr dazu in der Stimmung war, aufzubrechen. Und hier, in meinen Fesseln der Angst, kann sich eine Aufbruchstimmung auch nicht wirklich entfalten. Aber abwarten, mal wieder eine Nacht in einem Bett schlafen, "Alltag" einkehren lassen und die Zeit nach dem Sprachkurs in Sucre in Gedanken organisieren, vielleicht wird es dann besser. Und ein paar Lichtblicke gibt es ja auf jeden Fall hier. Sonnenuntergang am Flughafen in Lima zum Beispiel: eine feuerrote Scheibe sengt sich in die Erde hinab, direkt neben Bergen, die dort einer abgestellt hat.
Viele Gesichter, die ich noch nicht zu lesen gelernt habe. Der Hunger, der langsam aufkommt, und wohl mit einer der hier am Strassenrand preisgebotenen Waren gestillt werden wird. Das Land an sich, wenn der Winterregen hier aufhoert...
Was sich nicht geandert hat, ist die Uebersprungshandlung meines Seelen-Striptease. wenn ich innerliche Unruhe verspuere, schreibe ich, da ich niemanden zum Reden habe.
Danke, dass ich diesen Ballast auf Euch abwerfen konnte.
Es gruesst
chrissi