ich habe es geschafft, ich bin tatsaechlich angekommen in La Paz. Wie es dazu kam? Nun, nach stundenlangem Warten am Busbahnhof kam eine Durchsage, in der es hiess, dass es jetzt ein Zeitfenstr von 4 Stunden gaebe, in denen die Blockade aufgehoben wuerde und Busse passieren koennten. Ich habe mir sofort ein Ticket geschnappt, wenngleich das auch zur Konsequenz hatte, dass ich mitten in der Nacht, um 3, in La Paz ankommen sollte. Der Busbahnhof ist um diese Zeit abgesperrt, mein Plan, also ersteinmal bis zum Tagesanbruch am Terminal zu bleiben, funktionierte so nicht. Ich Schisser hab mich dann per Radiotaxi in mein altbekanntes Hostel bringen lassen.
Zuvor am Terminal in Cochabamba machte sich auch nochmal Schweiss auf meinen Handflaechen breit, und diesmal NICHT wegen der Temperaturen. Eine Frau, die einen Ausweis um den Hals baumeln hatte, auf dem etwas von Interpol gedruckt war, wollte meinen Ausweis sehen. Wenn man mal einen Reisefuehrer ueber Bolivien aufschlaegt und die Sicherheitshinweise durchliest, so stoesst man recht schnell auf das Kapitel "Fake-Polizisten". In etwa heisst es da, dass man niemandem seinen Ausweis zeigen / geben soll, der nicht-uniformiert eine Ausweis-Kontrolle durchfuehren moechte, man solle sich dann aus der Affaere ziehen. Ok, dann zieh ich mich mal aus der Affaere: ich fragte die Frau, ob es denn ein Buero von Interpol hier in der Naehe gaebe, in dem wir die Angelegenheit klaeren koennten, da ich nur ungern inmitten des Busterminals meinen Ausweis auspacken moechte. Jaja, gibt es, kommen Sie mit. Das hab ich dann gemacht, und es ward alles gut. Wir sind tatsaechlich in ein Polizeibuero gegangen und dort wurde dann meine Aufenthaltsgenehmigung kontrolliert.
In La Paz habe ich mich gestern mit dem franz. Couchsurfer getroffen, mit dem ich morgen Frueh zum Apolobamba-Trek nordoestlich von hier, angrenzend an Peru, aufbrechen werde. 7 Tage lang, 5 davon wandern, mit allem dabei, weil es unterwegs keine Versorgungsmoeglichkeit gibt. Mal sehen, wie das wird. Er scheint mir schon ganz nett zu sein, ein bisschen eso vielleicht. Aber hat sicher spannende Geschichten zu erzaehlen: er ist Regisseur und ist nach seinem Studium mit dem Auto von Paris nach Mali (Suedostafrika) (danke, Gerstenberg-WG!) gefahren, 7 Monate lang, und hat dort mit Einheimischen einen Film gemacht. Jetzt lebt er seit 3 Jahren in La Paz und ist wiederum dabei, mit Indigenos einen Film ueber deren Lebenssituation zu drehen... Ich entwickle mich hier langsam zum GPS-Spezialisten (ja, Georg, ich hab das doch gestern tatsaechlich noch durchblickt) und bin frohen Mutes, dass meine Augen ueberlaufen werden vor wundervollster Natur :-)
Auf bald,
chrissi
Mittwoch, 30. November 2011
Montag, 28. November 2011
chaoooooos
man man, wie das langsam nervt hier. Da will ich jetzt aus Cochabamba nach La Paz aufbrechen, um am Donnerstag den Apolobamba-Trek zusammen mit einem Franzosen zu starten (ja, das klappt jetzt zum Glueck!), da ist die Verbindung Cochabamba-La Paz blockiert. So ne Sch... . Am Donnerstag, als ich in Sucre war, war Sucre - La Paz zu. Das hoert hier echt nie auf. Und auf mich wirkt es so, als ob die vielen bloqueos, die es hier immerzu gibt, eigentlich nur noch laecherlich sind. Sowas. Man, ich will weiter, ich will raus aus Cochabamba, in die Berge.....argh. Drueckt mir die Daumen, wenn ihr Zeit habt, dass ich hier bald rauskomme...
Samstag, 26. November 2011
Die Worte waren zuletzt ein wenig karg, das versuch ich jetzt mal aufzuarbeiten.
ich habe also camiri verlassen, die stadt, in der ich quasi ne famulatur gemacht habe, und bin nach cochabamba weitergezogen, wo ich mich mit lina, einer freiwilligen aus sucre, getroffen habe, um gemeinsam mit ihr richtung "ruta del che" aufzubrechen. wie so haeufig kam alles anders, als man dachte: so ganz gut waren die infrastrukturellen bedingungen nicht, um nach vallegrande / la higuera (der ort, an dem che guevara getoetet wurde) zu gelangen. deshalb entschieden wir uns kurzerhand fuer samaipata und dessen umgebung. eine gute entscheidung! "El fuerte" ist eine Weltkulturerbestaette, ein handbehauener Sandstein, der noch auf prae-inka-zeiten zurueckgeht, die inkas diesen jedoch auch zu administrativen und zeremoniellen zwecken genutzt haben. War ne ganz nette Wanderung da rauf, mit einem der schoensten Badezimmern, die ich bisher gefunden habe :-)
Der nacheste Tag brachte uns dann wieder auf einen Gipfel, den codor de los andes. wunderschoen gelegen in einem gebiet, das sich immer mehr dem amazonas-einfluss unterwirft. saftig gruene waelder, lianen, die von den baeumen wachsen... vom gipfel aus konnte man condore beobachten und seinen blick schweifen lassen ueber unsagbar schoene weiten. fein fein.
als dieser ausflug nach samaipata dann beendet war, wollten wir eigentlich zurueck nach Cochabamba, aber Bolivien spielt mal wieder verrueckt. die Hauptverbindung zwischen santa cruz und cochabamba ist wegen Erdrutschen gesperrt. Deshalb also auf nach Sucre, da haben wir immerhin nen bus anhalten koennen. der war so voll, dass wir letztendlich im gang untergekommen sind, aber immerhin. auf der fahrt dann erfuhr ich, dass die strecke Sucre-La PAz, was mein naechstes Ziel sein sollte, blockiert ist, weil die Departamente Potosi und Oruro Strassenkaempfe austragen. Der Block soll laut prophezeiungen noch mehrere monate dauern. mist. ich also am naechsten abend wieder nach cochabamba gegondelt, um von dort aus einen bus nach la paz zu nehmen. derweil erfahre ich aber auch, dass es in und um la paz so viel regnet, dass wir die fuers wochenende geplante besteigung des Cerro Austria nicht machen koennen. also, wieder planaenderung. ich rufe die NGO CECAM an, ob ich nicht ein bisschen bei ihnen mitmachen koennte, spontan ab morgen... klar sagen sie, komm vorbei! und schwupps bin ich mitten in solarkochern und bin schwer begeistert von der sache. sobald ich daheim bin, will ich so ein ding bauen!!! ich seh das schon in rumaenien stehen, und wie gut das passt an unsere oase in Finti... fein fein fein. am montag bin ich nochmal mit CECAM unterwegs, und dann hoffentlich auf dem weg nach La paz, um den apolobamba-trek anzutreten, 7 tage durch die cordillera real. das waere sooo fein. aber auch das ist noch nicht ganz so sicher. mensch, ein bisschen mehr ordnung hier wuerde mir das leben schon wirklich erleichtern! ich freu mich auf verlaessliche strukturen. und vor allem auf begleitung - zu zweit koennen wir immer berge machen, aber alleine lass ich da die finger von. nun ja, jetzt hoffe ich, dass ich das wochenende in Cochabamba gut rumbringe und dann werde ich sehen, wie es weitergehen kann.
beste gruesse nach hause!
-chrissi
Donnerstag, 17. November 2011
Samstag, 12. November 2011
leben abseits der klinik
ist mir grad aufgefallen, dass ich ja nur ueber die klinik geschrieben habe... ansonsten gibt es zu berichten, dass es hier haeufig grillfeiern gibt, mit viel essen, trinken und tanzen. es zeigt sich, dass mein ausladender tanzstil sehr gut hierher passt, abspacken ist hier voll normal :-)
ausserdem raufe ich mir hier inzwischen auch die haare, weil ich der nichte meines gastpapas nachhilfe in englisch geben soll. sie muss in 2 wochen ihren abschlusstest nachholen, weil sie ihn nicht bestanden hatte. und wenn ich sage, sie kann nicht mal die basics, dann ist das keine untertreibung, und das nach 3 jahren englisch in der schule. zum ausflippen. schon besser, dass ich doch keine lehrerin werde... und ich frag mich, wie man ihr die basics beibringen soll, wenn sie nicht mal wirklich ihre eigene sprache beherrscht...echt wahr, die macht auch im spanischen so viele rechtschreibfehler, das ist echt kein spass mehr. zum ausflippen.
ausserdem geh ich mit ner bekannten von hier, yesenia, abends immer ins fitnessstudio zum spinning. irre, das langt mir schon, wenn ich auf dem fahrrad sitze ohne zu treten und ich stehe im schweiss. echt wahr, so viel habe ich auch in meinen aktivsten zeiten des sportelns nicht geschwitzt - aber es tut mir ganz gut, irgendwie hab ich nen bewegungsdrang. und ich will nicht so ganz traege werden, schliesslich habe ich noch tolle tolle wanderungen und so vor mir!
que mas? morgen denk ich gehts an nen wasserfall, der durch ne thermalquelle gespeist wird. uiuiui, bin schon recht gespannt!
hasta luego
chrissi
klinikwelt
zeit, ein paar worte ueber die caja petrolera de salud zu verlieren.
eigentlich bin ich in der inneren medizin untergebracht, aber hier laueft alles ein bisschen anders, ein bisschen vermengter. bei bedarf steh ich bei kaiserschnitten mit am tisch, der chirurg, der hier so gut wie gar nix zu tun hat, nimmt mich mit auf visite zu seinen 2 patienten, die paediatrie ist leergefegt und den rest der zeit bin ich tatsaechlich in der inneren. mehr disziplinen gibt es nicht hier in camiri, fuer alles weiter muessen die patienten eine 4 stuendige reise nach santa cruz aufsich nehmen.
die diagnostischen mittel sind auch eher rar: stethoskop, blutdruckmanschette, labor, roentgen. nein, ich habe glaub ich nichts vergessen. ach doch, ein ekg kann man noch schreiben. also, eher so basics quasi.
die menschen, die hier sind, leiden hauptsaechlich an bluthochdruck, diabetes mellitus, herzinsuffizienz, erkaeltung / grippe, gastritis, neuralgie, (broncho-)pneumonie, Tuberkulose, Pilzerkrankungen, Wurmerkrankungen, Chagas, rheumatoide Arthritis.
Heute kam eine komatoese Frau rein (GCS 3, intubieren hat keiner fuer noetig empfunden...), mit Verdacht auf Apoplex. Da die diagnostischen mittel eher beschraenkt sind, wusste man nicht so recht ob blutung oder verschluss... als dann mal ein labor (kl. BB, Zucker,Cholesterol) abgenommen war, stellte sich raus, dass sie zu viel Zucker im Blut hatte (vielleicht daher ihre vertiefte Schnauferei?!). nun ja, alles eher traege, schon auch unzufriedenstellend, fuer mich jedenfalls...
so wirklich viel lernen kann ich hier doch nicht, wie ich dachte. sobald jemand ueber schmerzen im bauchraum klagt, wird halt kurz auf seinem bauch rumgedrueckt und ihm dann eine gastritis attestiert. bluthochdruck wird therapiert, aber ohne die gruende fuer den hochdruck zu suchen. generell bei schmerzen kriegt hier jeder patient diclofenac verordnet, zusammen mit Vit B Komplex, und wenns arg schlimm ist noch ne ampulle dexamethason dazu. mpf... und dann kann ich mir von dem einen arzt noch immer anhoeren, dass die aerzte hier ihre diagnose aus der klinik des patienten ableiten und wir deutschen halt nur mit maschinellen untersuchungsergebnissen arbeiten koennten. das find ich n bisschen unverschaemt, muss ich sagen. ich sag mal so: wenn die latte an diagnosen auf ca 20 erkrankungen beschraenkt ist, dann braucht man wirklich nicht mehr diagnostische hilfsmittel. wenn man krankheitserscheinungen eines patienten allerdings fundierter aufarbeiten moechte, dann kann man das halt nicht mit seinen haenden und augen alleine machen.
Nun, ich denke, ich habe mich dazu entschieden, meine zeit im KH hier ein wenig zu verkuerzen, vielmehr will ich mich dann wieder dem wandern und streunen zuwenden - hier in der naehe gibt es die "ruta del che", die (flucht)wege che guevaras in bolivien. wenn ich hier irgendwo informationen und kartenmaterial dazu auftreiben kann, werde ich diesen folgen. Ein weiterer Grund, weshalb ich mich fuer den Aufbruch aus Camiri entschieden habe, ist, dass ich mit dieser tropischen hitze kaum umgehen kann. den ganzen tag bin ich schlapp und muede, der schweiss rinnt in stroemen, echt nicht so angenehm fuer mich, muss ich sagen! da lob ich mir doch die berge....die naechste woche ueber bin ich noch hier. mal sehen, was da so passiert, und dann am kommenden wochenende pack ich meine 7 sachen und ziehe weiter.
beste gruesse!
chrissi
Freitag, 4. November 2011
tropical feeling
seit dienstag ist mein neues zu hause Camiri, eine beschauliche stadt im suedosten dieses fesselnden landes, mit tropischem klima und tropischen charakteren (so jedenfalls stelle ich mir tropische charaktere vor). auf den strassen toent rassige, suedamerikanische musik, die menschen laufen hier noch eine spur langsamer als in la paz, alles eher gemuetlich. wegen der hitze, selbstverstaendlich.
ich wohne in einem kleinen paradies bei meinen gasteltern rommi und miguel, zusammen mit ihrem 11-jaehrigen sohn miguelito und einer kanadischen austauschschuelerin, illu. ach ja, und einem papagei, lorenzo. und der bruder von miguel mit frau und 6-monatigem kind ist eigetnlich auch immer da. viel gelaechter, viel gerede, viel herzlichkeit. ich fuehle mich echt recht wohl hier.
mittwoch nacht habe ich eine nachtschicht im hospital camiri mitgemacht. viele patienten gibt es nicht in dem haus, der interno dort scherzte "wir sind eben ein sehr gesundes haus", und in der nacht war auch nicht viel los, aber eben etwas exotischeres. mann mit miliar-tuberkulose. stimmt, sowas gibts ja hier... noch ne kleine platzwunde, gallenkolik und geplatzte fruchtblase in der 30. ssw. recht nett fuer den einstieg.
heute dann bin ich in "mein" krankenhaus gegenagen, joaquin, ein bekannter hier, war so freunldich, mich zu begeleiten. irgendwann war dann alles soweit vorbereitet, dass ich ein gespraech mit dem krankenhausdirektor fuehren sollte. joaquin und auch die luisa, die verwaltungsangestellte, wuneschten mir viel erfolg und sahen etwas besorgt drein. nervositaet hallo! aber dann lief es erstaunlich gut. ein bisschen small talk mit dem chef, dann fragte er, ob ich papiere dabei haette, also gab ich ihm meinen lebenslauf und uni-zeugnisse und so, was ihn sehr erfreute. nach 20 minuten gespraech streckte er mir seine hand entgegend und hiess mich herzlich willkommen in der "caja petrolera de salud". uff. mein erstes "einstellungsgespraech" auf spanisch. juhuuu. dann noch eine kleine runde durch das haus, ich lernte meine doktoren kennen und sie mich, ab morgen frueh (jawoll, samstag) um 7 uhr gehts los. bin recht zuversichtlich, dass das eine lehrreiche zeit werden wird.
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