Freitag, 28. Oktober 2011
mit mir gegen mich fuer mich ausser mir
Montag, 24. Oktober 2011
viel nachzuholen
hier wieder ein eintrag von mir selbst verfasst - es ist viel passiert die letzten tage. mein letzter eigener eintrag, das foto, ist vom titicaca-see, an dem ich 3 tage verbracht habe, wieder einmal in spannende umstaende gepackt: um nach copacabana zu gelangen, muss man eine kleine strassenblockade umgehen. wieder einmal machten die bolivianer demokratie und sperrten ueber kurz oder lang den zufahrtsweg. grund: ein lehrer hat ein maedchen in einer schule missbraucht und das volk fordert nun strafe. mit etlichem warten und gutem zureden durfte unser minibus dann passieren und ich konnte das spektakel sonnenuntergang am titicacasee miterleben. am anechsten tag dann mitm boot auf die isla del sol, einen sehr sehr heiligen ort, der frueher "titi karka" hiess, in etwa "Stein des Puma". die insel kann man wunderschoen durchlaufen, was ich auch tat, vom nord-zum suedhafen, inklusive erklaerungen ueber ein im see untergegangenes reich. recht beeindruckend, muss ich sagen. eine augenweide, die lage dieser insel. im tiefblauen see, hinter dessen ufer man in weiter ferne die bergkette der cordillera real erblickt - da geht einem das herz auf. unterwegs lernte ich auch yvonne kennen, mit der ich abmachte, den Choro-Trek zu laufen - endlich jemand, der auch zeit und lust auf draussen sein hat!
zureuck in Copacabana gings dann darum, die rueckfahrt nach la paz zu organisieren - der block hielt noch immer an, mir wurde vorgeschlagen, nach Puno in Peru ueberzusetzten, um dann von Peru aus an einem anderen Grenzuebergang wieder nach Bolivien einzureisen, um endlich nach la paz zu gelangen. klingt spannend. letztlich jedoch hat sich eine gruppe von 8 leuten ergeben, die mit nem minibus in naehe des streiks gefahren sind, dort dann ihre rucksaecke schulterten, ca 5 km zu fuss durch den protest zuruecklegten, um dann auf der anderen seite wieder in einen bus richtung la paz zu steigen. mein ziel war ja, moeglichst viel zu laufen. klappt also. klappt sogar so gut, dass ich meine schlappen schon kleben lassen musste, und die sohle meiner wanderschuhe verabschiedet sich jetzt nach dem choro-trek auch...
Sonntag, 23. Oktober 2011
Grosse Neugierde zu Bolivien – wie schon lange nicht mehr
von Prof. MA. SC. Int. Max Steiner - Unidad Postgrado UAGRM - Stiftungsratspräsident Hostelling International Bolivia – Santa Cruz - 20. Oktober 2011
So mal kurzzeitig im europäischen Medien-Rampenlicht zu stehen, das entschädigt für die sonst fehlende großflächige Aufmerksamkeit gegenüber unserem noch immer ziemlich isolierten Land in den Anden.
Indigener 2000 köpfiger Protestmarsch, mit Kind und Kegel, unter gewaltigen Strapazen über 450km und mehr als 5’000 Höhenmetern 64 Tage hoch nach La Paz zur Erhaltung eines großartigen Natur-Nationalparks “TIPNIS” (für die Abkürzung aller Namen) und die wohl in Südamerika erstmalige direkte Volkswahl aller Justizorgane sind die Auslöser dieses insbesondere europäischen Presse-Interesse.
Normalerweise sollte man als Analyst warten bis konkrete, bestätigte Resultate vorliegen, doch die Neugierde ist zu groß; zu viele Mails bestürmen mich: “Max, was passiert da? – betrifft dies das ganze Land und ist nun alles blockiert? – Werden die Wahlen wegen der vielen ungültigen Stimmzettel wiederholt werden müssen?”
Ohne Zweifel steht die Regierung von Evo Morales vor zwei tiefgreifenden Entwicklungen, welche sie so vor 6 Monaten nie und nimmer vorhergesehen hatte; noch als Option erkannte.
Der Entscheid zum Bau einer erstmaligen Strassenverbindung aus dem Chapare, ab Villa Tunari nach Ignacio de Moxos und damit die erste geographisch direkte Verbindung zwischen den angrenzenden Bundesländern (Departamentos) Cochabamba und Beni war bereits vor drei Jahren von allen Instanzen genehmigt, die Finanzierung von der brasilianischen Entwicklungsbank steht seit zwei Jahren und es wird auch seither voll an der Straße gebaut:
Nur niemand hat die Indigene Urbevölkerung im Park drin gefragt und jetzt stehen die Maschinen an der Parkgrenze oder schon schlimmer haben bereits rund 30 % ausgeholzt – in diesem Abschnitt die Bäume des Naturparkes gefällt. … und bis heute fehlt natürlich die international verlangte Umweltverträglichkeitsprüfung?
Die andere große Chance, wie diese von Evo immer wieder angekündigt wurde: Lass uns endlich unsere Richter selbst wählen!! Tönt gut und war als große Volkswahl so angedacht, dass alle Freude haben sollten und Evo mit einer groß-mehrheitlichen Zustimmung auch gleich indirekt vom Volk in seiner Arbeit bestätigt würde. Doch weit gefehlt, stehen wir nun vor fast 70 % der Stimmabgaben in Santa Cruz, die leer oder ungültig eingelegt haben – bundesweit dürften es wahrscheinlich so an die Hälfte sein, welches dieses Geschenk klar zurückgewiesen haben; warum?
Beim indigenen Protest treffen wir auf die ethnologisch klare Erkenntnis: Indigen im Andenraum ist nicht gleich Urbevölkerung. Da prallen nun Jahrtausend alte Differenzen der 36 in der neuen plurinationalen Verfassung geschützten Ethnien aufeinander. Welche Rechte sind da noch übergeordnet, oder muss sich der Staat dem Minoritäten-Diktat von vielleicht 25’000 “Mojeños, Yuracarés oder Chimanes” unterwerfen. War der Retter Evo vielleicht gar zu weit gegangen und rudert nun zurück?? - … ohne Zweifel würde er für seine Cocalero-Gewerkschaften natürlich fast alles tun, welche nun unbedingt diese Straße als Entwicklungschance, aber eben auch missbraucht als Kokain-Ausfallachse nach Brasilien haben wollen; nicht zu sprechen von möglichen Erdöl- und Gasfunden?
“Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul”, doch gerade dies geschah bei der Auswahl der Kandidaten zu den Richterwahlen. In der Verfassung steht, dass die Vorschläge mit 2/3-Mehrheit des Kongress (vergleichbar des Deutschen Bundestag; vereinigte Bundesversammlung CH) zur Volkswahl genehmigt werden müssten. Aus rund 950 Kandidaten wurden etwas über 110 bestimmt und davon waren rund 50 (inklusive Stellvertreter) zu wählen. (übrigens 90 % Akademiker – 80 % Rechtsanwälte und ehemalige Richter); aber eben die alles zurzeit dominierende MAS-Partei hat selbst über 68 % aller Stimmen und konnte da praktisch Schalten und Walten wie sie wollten. Dies wird ihnen nun zum Verhängnis, als dass niemand an die Objektivität und vor allem die Neutralität der neuen Richter glaubt? – und eben aufgrund fehlender Information zu den Kandidaten oder wegen grundlegender Ablehnung dann leer oder ungültig eingelegt hatten.
Wie geht es weiter in diesen spannenden Fragen in Bolivien??
Hier wage ich eine ganz mutige Aussage als Analyst: Beide sind nicht so wichtig, wie diese nach außen wirken und vor allem gar nichts sind im Vergleich mit dem katastrophalen Entscheid des “Gasolinazo” – der nach Weihnachten 2010 verkündeten 80 % Erhöhung der Benzin- und Dieselpreise, welche dann ja Evo auch umgehend wieder zurücknehmen musste, ohne einen richtigen Bürgeraufstand und dabei seinen Rauswurf zu riskieren; der Inflationsschub von damals, der blieb übrigens!!
Genau da liegt die Wahrheit: zurzeit werden beide Themen natürlich von der Opposition und damit auch von deren Medien genüsslich ausgeschlachtet.
Klar ein Kampf um einen Natur-Nationalpark ist auch in Europa so grün, dass sich ein Kampf voller Emotionen real und im Internet lohnt und der Gegenspieler von Evo, Juan del Granado, der mit seiner MSM (Movimiento Sin Miedo – die Partei, die keine Angst hat) die Stadtregierung in La Paz bestimmt, natürlich gestern einen riesigen Empfang, mit CNN Live, wärmenden Decken und Essen, für die rund erschöpften Marschierer organisierte.
Aber man wird dort zu einem Dialog und dann zu einem Abstimmungsverfahren kommen, welches die übrigens selbst gespaltenen indigenen Bewohner nachträglich noch befragen wird und dann halt eben einen Umweg in Kauf nehmen. Aber in jedem Fall hat sich dieser Kampf gelohnt und die Natur wird als Siegerin, wenigstens wieder für einige wenige Jahre besser da stehen.
Bei den Richterwahlen ist beeindruckend, wie die Regierung Evo Morales nur die hohe Stimmbeteiligung von fast 90 % als Zeugnis des Demokratieverständnis unterstreicht und lobt (dabei haben wir ja hier in Bolivien Stimmzwang, mit Bussen und einschneidendem Verlust an Handlung, wie Bankzahlungen, Hypothek, etc. die man alle nicht mehr machen kann, ohne abgestimmt zu haben!). Fast gebetsmühlenartig wird am Staatsfernsehen die neue Errungenschaft der direkten Volkswahl runtergeleiert und die “Nulos-Blancos”, also die große Ablehnungvon fast der Hälfte der Bevölkerung ignoriert. So werden wir trotz Protesten wenige Tage nach dem endgültigen Wahlergebnisse, ca. Mitte November, umgehend die Einsetzung der neuen Justizorgane im stilvollen Rahmen sehen, denn in der Verfassung und dem Ausführungsgesetz steht, dass hier nur das einfache Mehr der gültig eingelegten Stimmen zählt.
Das wohl wertvollste ist dabei, dass die Frauen, die großen Siegerinnen sein werden und über 55 % aller Positionen besetzen könnten - und das ganz ohne Streit hier in Bolivien über eine Frauenquote. Wenigstens in einem Detail sind wir noch ein kleines Stück weiter als in Europa.
Dienstag, 18. Oktober 2011
Montag, 17. Oktober 2011
lebenszeichen
Dienstag, 11. Oktober 2011
...es ist wieder passiert...
Lina, eine Freiwillige, die mit dem weltwaertsprogramm in Sucre ist und in einer Psychopaedagogischen Einrichtung arbeitet, die von dem Orden San Juan de Dios getragen wird, hat mich am Montag gefragt, ob ich nicht Lust und Zeit haette, mit zu ihrer Arbeit zu kommen und sie dabei zu unterstutzen, mit den Kindern dort ins Schwimmbad zu gehen. Das musste sie mich natuerlich nicht zweimal fragen und so fand ich mich inmitten dieser Kinder wieder, die dort untergebracht sind. Viele Kinder mit infantiler Cerebralparese, einige mit Trisomie 21, wieder andere mit Missbrauchshintergrund (Stefan, ich habe mich sehr an deine Ausfuehrungen im blauen Affen zurueckerinnert gefuehlt). Ziemlich schnell hatte ich ein Kind auf jedem meiner Arme sitzen und eines an meinem Bein zerren. Lina ist Physiotherapeutin und verrichtet grossartige Arbeit dort. Waehrend des Mittagessens verwandelte sich der Speisesaal in ein kleines Schlachtfeld. Diejenigen, die keine Hilfe beim Essen benoetigen, verteilten ihre Nudeln nicht nur ueberall in ihrem Gesicht, sondern auch sonst ueberallhin. Ich musste schon schmunzeln. Und dann ging es auf ins Schwimmbad mit einem Teil der Kinder. Irre, welche Laute des Wohlgefallens die Racker aus ihren Kehlen hervorbrachten, die sonst nur bewegungslos und stumm in ihren "Aufbewahrungsstuehlen" rumhaengen. Das Baden war ein echter Spass, fuer uns alle. Ich war froh, eine solche Einrichtung kennengelernt zu haben, weil sie auch nachhaltig angelegt ist: die Kinder, denen es moeglich ist, erhalten ueber den Orden auch eine Art Ausbildung, um spaeter ein bisschen arbeiten zu koennen. Bei vielen allerdings ist davon nicht auszugehen - wenn diese Kinder gross sind, bleiben sie weiter unter den Fittichen von San Juan de Dios und haben somit eine Bleibe und Sorge.
Nach diesem Erlebnis bin ich dann aus Sucre abgereist nach Potosí, der Silberstadt, wo ich mit der Hoehe ein wenig zu kaempfen habe, aber das wird immer besser. und bezueglich der Ueberschrift: ich habe wieder einmal etwas verloren, bzw diesmal ist es eher vergessen: mein MP3player liegt noch in Sucre. Ich hoffe, ein Vergessen gilt auch als Omen fuer eine gute Reise im Allgemeinen... Ende Oktober werde ich ihn dort wohl abholen, bis dahin mach ich mir die musik einfach selbst in meinem Kopf.
Liebe Gruesse!
Samstag, 8. Oktober 2011
Evo in da hood und chrissi aus dem häuschen
meine wanderung beging ich zusammen mit chris, einem australier, den ich via couchsurfing kennegelernt hatte, und wir nach einem ersten beschnuppern beschlossen hatten, dass wir gut zusammen wandern gehen können. eine für mich wirklich überfällige tat, die zeit in dem hostel war inzwischen zu lang und zu deutsch.
Dienstag, 4. Oktober 2011
que me gusta - en alemania
nun, dann irgendwann gings los nach Chaqui, dort, wo sich hot springs befinden. die sind auch tatsaechlich da, aber das wasser kommt da so heiss raus, dass die einheimischen dort ihre kochwaesche waschen und ausserdem eier in einem netz ins wasser legen und dann nach 8 bzw 10 minuten wieder rausnehmen - je nachdem, ob man die eier mittel oder hartgekocht haben will. unglaublich! unser reise-organisator, ein hostel-mitarbeiter, war auch eher verwundert. aber gluecklicherweise wussten wir, dass es in der naehe von potosi noch eine heisse lagune gibt, das "ojo de las incas", "auge der incas". die haben wir dann nach weiteren 90 minuten fahrt durch irre landschaft auch erreicht und haben gebadet in einer umgebung, herrlich... dann hiess es wieder 4 stunden nach hause gondeln. die landschaft war wirklich atemberaubend. was mir auch gefaellt, der busfahrer haelt in doerfern an, es stuerzen maedchen und frauen zu den fenstern des buses und wollen ihre ess-waren verkaufen, durchs fenster erfolgt dann der austausch der "platitas" (Verniedlichungsform fuer plata, silber, wie die menschen hier das muenzgeld bezeichnen) und des Essens erfolgt. bloed nur, dass es keinen frischen kaese gab - der wurde erst an einer unuebersichtlichen kurve hoch in den bergen angepriesen. eine stelle, an der man schon mal einfach so seinen bus abstellen kann auf der engen, unuebersichtlichen strasse - es ist jedoch kein muss.
nun ja, das war ein erlebnis an meinem wochenende. morgen gehts los zum ersten wandern - ich freu mich schon wie ein kleines kind!
besos,
chrissi