Donnerstag, 8. Dezember 2011

bien salvaje, no mas. Apolobamba-Trek

Die ganze Sache nennt sich Apolobamba-South, wir wandern von Pelechuco aus nach Sueden, Zielort Curva bzw Charazani, von wo aus es wieder Anbindungen zurueck nach la Paz geben soll, durch die Cordillera Apolobamba.
Allein die 9-stuendige Busfahrt nach Pelechuco ist eine Reise wert. Anfangs durchquert man das Altiplano mit Blick auf die Cordillera Real, um dann noerdlich des Titikakasees wieder in eine andere Bergwelt einzutauchen.
1.12.2011
In Pelechuco (3600Hm) suchen wir uns zunaechst erfolgreich eine Bleibe, leider erfolglos Maultiere. D.h., wir spielen selbst Maultiere und tragen all unser Essen fuer die naechsten 5 Tage im Rucksack - gute Uebung fuer mich, denke ich. In der Unterkunft in Pelechuco ergab sich eine Begegnung ganz nach meinem Gusto: Matteusz, ein Pole, Gray, ein US-Amerikaner, Eric, der Franzose, Don Raynoldo, der bolivianische Pensions-Betreiber, und ich, die deutsche Chrissi hocken zusammen. Die Sprache, die alle eint, ist Spanisch, die anderen kommen auch ab und an auf. Wer haette das gedacht, dass ich einmal meine Brocken Polnisch im bolivianischen Nirgendwo anbringen kann. fein fein.
Wir kuerzen noch unsere Essensvorraete, damit wir uns nicht zu Tode schleppen - immerhin muessen wir mehr als 5000 m hohe Paesse ueberwinden... Ich persoenlich fins ja ganz gut, dass wir die Sachen jetzt selbst tragen - meiner Philosophie zufolge hat man naemlich erst dann einen Weg wirklich selbst gemacht, wenn man sich auch selbst durchkaempfen kann. Ich freu mich tierisch aufs GPS-trekken und lasse all den Aerger, der in mir aufsteigt, weil Matteusz mir nicht zutraut, das so zu schaffen, hinter mir. Ich weiss, dass ich kein Anfaenger bin und ich weiss, was ich tue, und ich weiss, dass ich Kraft habe, Klaro wirds schwer so hoch oben, aber da muss man eben mit dem Schweinehund rangeln! Oder wissen, wann man umzukehren hat. Auch das ist eine Kunst...
2.12.2011
1. Abend in Palca, 4096 Hm
Irre! Heute Frueh in der Bleibe in Pelechuco haben wir ncoh erfahren, dass einer der Bolivianer, die gestern noch mit uns zu Abend gegessen haben, nachts bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist: auf seinem Jeep hatte er 3 Kuehe und ein Kalb geladen. Der Fahrer war ungeuebt und konnte in einer Kurve die Bewegungen der Tiere nicht ausgleichen. Absturz von der Erdpiste.
Auf den ersten Metern unseres Weges dann ein totes Schaf...Hoffentlich ist das kein Omen.
Das Wetter wechselt stetig zwischen Sonnenschein und dichtem Nebel. Fingerhuete saeumen anfangs unseren Aufstieg zum ersten Pass, da der aber auf ueber 4700m liegt, wird alles immer karger. Nur die Llamas bleiben. So wunderschoen hier! Auch fuerchterlich anstrengend, das Gewicht des Rucksacks ist doch spuerbar in der Hoehe. Aber wir kaempfen uns durch und werden belohnt dafuer: herrlicher Ueberblick ueber Gipfel und Gletscher und strahlender Sonnenschein auf der anderen Seite des Passes. Freude pur. Noch ein bisschen Abstieg und dann ein genialer Zeltplatz. Der naechste Morgen birgt ein Bad im eiskalten Gletscherbach und meine Freude ueber meinen Schlafsack - trotz frosteliger Temeperaturen war mir herrlich warm in der Nacht. Eric ging es da leider anders, er nannte seinen Schlafsack auch gerne Sleeping-Bad. Aber mit Biwaksack und Knoblauch-Therapie bekamen wir das unter Kontrolle.

03.12.2011 Palca-Sunchulli

Was ein langer Tag durch wundervolle Taeler mit stetig neuen Gipfeln und Gletschern. Die Sonne brennt und es geht immerzu bergauf. Der Paso Sunchulli misst 5100 m. Super anstrengend mit dem Gewicht am Ruecken. Wir halten einen Landcruiser mit Mineros an, der uns bis knapp unterhalb des Passes bringt. Ein feuerroter See, Moosinseln, Gletscher um uns herum. Welch ein herrlicher PLatz, um Rast zu machen. Meine AUgen, mein Koerper saugt sich voll mit diesen Bildern. SChliesslich irgendwann der Aufstieg zum Pass, hinter dem sich wieder ein neues Tal mit neuem Charakter erstreckt. Hier gibt es dann auch einige Goldminen, und fuer uns einen Platz in einer Ruine, der besser nicht sein koennte. Llamas um uns herum, Greifvoegel, und sogar ein bisschen Holz! Somit gibt es mein erstes Lagerfeuer auf 4700 m Hoehe. Gar nciht so leicht, das da oben zum brennen zu bringen. Der Halbmond laesst nachts die Gletschergipfel hell aufragen, und ein reines Sternenzelt mit Orion als Waechter legt sich sanft ueber unseren Schlaf.

4.12.2011 Sunchulli- Incachca

Ein abwechslungsreicher Tag: Aufstieg zum Viscachani-Pass, den wir zum letztmoeglichen Zeitpunkt erreichen: kurz noch Fernblick zurueck auf den Sunchulli-Pass und auf das, was noch vor uns liegt, dann zieht dicke Nebelsuppe auf. Jetzt ist wahre Orientierung gefragt. Wir hoeren Donnergrollen und erreichen mit Einsetzen eines heftigen Hagelschauers eine Miner-BAstion. Irre, aus dem Quecksilberschlamm, der bei der Aufarbeitung des Gesteins zur Goldgewinnung uebrigbleibt, haben sich die Miner ein Volleyballfeld gebaut. Wir beschliessen, aus den Baechen hier kein Wasser aufzufuellen... nach einer knappen Stunde klaert der Himmel auf /zumindest hagelt es nciht mehr) und wir ziehen weiter, bis wir "mil curvas" erreichen. Der Nebel und die WOlken machen diesen Ort perfekt mystisch: ein steiler Abgrund, schroffe Felsen, in der Ferne ein Gletscher. Unterwegs das Gerippe einer Kuh. 600 Hm Abstieg, hin zu einem Wasserfall. Bis wir den erreichen, scheint die Sonner wieder und wir nutzen die NAturdusche. Pferde betrachten uns verdutzt. Etwas oberhalb wird das Lager aufgeschlagen, auf 4009 m Hoehe. Die Nacht sternenklar, die Milchstrasse ueber uns, die Temperatur dafuer unter 0 - das Wasser in unseren Flaschen gefriert. Ich schlafe tief und fest, nur bei einer Toilettenpause faellt mir das Sternenhimmelzelt auf den Kopf...

05.12.2011 Incachaca- Curva
Schon frueh am Morgen ziehen 3 Bolivianer an unserem Zeltplatz vorbei und gruessen froehlich. Lange nach ihnen machen wir uns auf die Socken, ein langer Aufstieg steht bevor - mehr, als wir tags zuvor ueber mil curvas abgetsiegen sind. Anstregend, rauf auf 4700 Hm. Aber wir schlagen uns sehr tapfer, wir erreichen den Pass bald und koennen wieder einmal Kondore beobachten. Von hier aus sehen wir auch die Gruppe von heute morgen, die uns zu sich winkt. Wir gesellen uns zu ihnen und teilen unser Essen mit ihnen - sie freuen sich sehr, denn sie selbst haben gar nichts mit sich. Dadurch haben wir den eigetnlichen Weg nach Curva verlassen, aber die Bolis sagen uns, dass sie da ja auch hingehen und ihr Weg schneller sei. Wir schliessen uns ihnen an, und es folgen nahezu senkrechte Steilpassagen, wir passieren direkt unterhalb des Akhamani-Gletschers einen unfassbar klaren, farbenreichen See. Die Berge um uns herum brennen, woertlich. Die Bauern haben das Gras dort angezuendet, damit der Regen, der jetzt demnaechst beginnt, die reichhaltige Erde auf ihre Felder spuelt. spektakulaer. NAchmittags erreichen wir CUrva und entscheiden uns, nochmals zu zelten. Weil wir jetzt wieder "so tief" (3700Hm) sind, gibt es wieder Baeume, folglich Holz, folglich Feuer fuer uns inmitten einer dicken Nebelsuppe. Eukalyptus riecht auch als Feuer unbeschreiblich intensiv. und der Blau-Anteil an einer Flamme scheint mir riesig hier oben.

6.12.2011 Curva - Charazani

In diesem Tal haengt der Nebel fest, mit wenig Sichtweite beginnen wir den Abstieg. Allmaehlich klaert es auf, und das Paradies wird sichtbar: Rosen, Farne, verschiedene Kakteen-Arten, Eukalyptus, Erdbeeren, farbenfrohe Sachen, die ich nicht kenne... alles wirkt wieder Dschungel-artig. Unten am Fluss angekommen (2800Hm) erwartet uns wieder ein garstiger Aufstieg und wir sind uns des Weges nciht sicher. Eine Frau, die wir fragen wollen, keift uns auf Quechua an und wirft Steine nach uns... Also einfach weiter. In einem Dorf weist man uns den Weg, wir entscheiden und, im "wildstyle" per GPS zu navigieren. Uff, welch unbegehbare Routen wir nehmen mussten! Inklusive einer Flussueberquerung, die mich an "into the wild" erinnert... und dann die schelchte Nachricht: Charazani liegt nicht 2 km vor uns, wie uns das GPS wissen liess, sondern leider 7 km und 500 Hm nordwestlich (=hinter) von uns. What?! Ich bin langsam echt kaputt. Wir kaempften uns zur grossen Strasse und trotteten also quasi Richtung zurueck, jedoch nciht, ohne zuvor nochmals unsere NAviagtion zu ueberpruefen. Wir kommen zu dem Fazit, dass die Karte Mist ist. Nach schier endlosem Laufen endlich: Charazani. Und es beweist sich: der Ort ist in der Karte falsch eingezeichnet. Jetzt koennen wir darueber lachen... Flux eine Bleibe gesucht, gekalert, wie wir nach La Paz kommen und dann ab in die aguas termales, die mueden Knochen baumeln lassen.

Alles in allem eine wunderbare Tour, viel wilde Natur, Tiere und auch ein paar wilde Menschen. Ich will gar nicht gross ein Fazit ziehen, weil ich Fuerchte, dass dann wie bei den Mineros ein paar Brocken Gold und der Rest als Quecksilberschlamm uebrig bliebe . aber das wuerde den "Rest" sowas von abwerten. Deshalb also: Apolobamba-Trek: Daumen hoch. Punkt.

























































































































































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