Dienstag, 11. Oktober 2011

...es ist wieder passiert...

In meinem letzten Eintrag hatte ich angekuendigt, noch mehr ueber die Fiesta in Tarabuco zu schreiben, und ueber das Konzert von Los Kjarkas, das in einem Freilichttheater stattfand und beeindruckend war (die Band hat bis um 2 uhr nachts gespielt!) ach ja, und ausserdem war ich noch in einem Museum in Sucre, in dem man ueber die Geschichte der Dinosaurier lernen und Fussabdruecke von Dinos bewundern kann, die 1994 zufaellig entdeckt wurden, als die Zementfirma Fancesa den Berg abschuerfte und uber meinen Besuch in der Casa de la Libertad, jenem Platz in Sucre, in dem der unabhaengige Staat Bolivien begruendet wurde. Aber all diese Ausfuehrungen muessen warten, bis wir uns wieder sehen (wer es denn wissen moechte) und einem Eintrag weichen, der mir mehr am Herzen liegt.

Lina, eine Freiwillige, die mit dem weltwaertsprogramm in Sucre ist und in einer Psychopaedagogischen Einrichtung arbeitet, die von dem Orden San Juan de Dios getragen wird, hat mich am Montag gefragt, ob ich nicht Lust und Zeit haette, mit zu ihrer Arbeit zu kommen und sie dabei zu unterstutzen, mit den Kindern dort ins Schwimmbad zu gehen. Das musste sie mich natuerlich nicht zweimal fragen und so fand ich mich inmitten dieser Kinder wieder, die dort untergebracht sind. Viele Kinder mit infantiler Cerebralparese, einige mit Trisomie 21, wieder andere mit Missbrauchshintergrund (Stefan, ich habe mich sehr an deine Ausfuehrungen im blauen Affen zurueckerinnert gefuehlt). Ziemlich schnell hatte ich ein Kind auf jedem meiner Arme sitzen und eines an meinem Bein zerren. Lina ist Physiotherapeutin und verrichtet grossartige Arbeit dort. Waehrend des Mittagessens verwandelte sich der Speisesaal in ein kleines Schlachtfeld. Diejenigen, die keine Hilfe beim Essen benoetigen, verteilten ihre Nudeln nicht nur ueberall in ihrem Gesicht, sondern auch sonst ueberallhin. Ich musste schon schmunzeln. Und dann ging es auf ins Schwimmbad mit einem Teil der Kinder. Irre, welche Laute des Wohlgefallens die Racker aus ihren Kehlen hervorbrachten, die sonst nur bewegungslos und stumm in ihren "Aufbewahrungsstuehlen" rumhaengen. Das Baden war ein echter Spass, fuer uns alle. Ich war froh, eine solche Einrichtung kennengelernt zu haben, weil sie auch nachhaltig angelegt ist: die Kinder, denen es moeglich ist, erhalten ueber den Orden auch eine Art Ausbildung, um spaeter ein bisschen arbeiten zu koennen. Bei vielen allerdings ist davon nicht auszugehen - wenn diese Kinder gross sind, bleiben sie weiter unter den Fittichen von San Juan de Dios und haben somit eine Bleibe und Sorge.

Nach diesem Erlebnis bin ich dann aus Sucre abgereist nach Potosí, der Silberstadt, wo ich mit der Hoehe ein wenig zu kaempfen habe, aber das wird immer besser. und bezueglich der Ueberschrift: ich habe wieder einmal etwas verloren, bzw diesmal ist es eher vergessen: mein MP3player liegt noch in Sucre. Ich hoffe, ein Vergessen gilt auch als Omen fuer eine gute Reise im Allgemeinen... Ende Oktober werde ich ihn dort wohl abholen, bis dahin mach ich mir die musik einfach selbst in meinem Kopf.
Liebe Gruesse!

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