Samstag, 8. Oktober 2011

Evo in da hood und chrissi aus dem häuschen
























zu der überschrift muss viel erklärt werden...


Der Präsident Boliviens, Evo Morales, gab sich die Ehre, in Sucre aufzutauchen und die "Bundesjugendspiele" Boliviens zu eröffnen. dieses spektakel habe ich leider verpasst, weil ich mich auf einer unglaublichen wanderung befand. judith, du hättest deine freude daran gehabt. und aus dem häuschen war ich ausserdem noch, weil ich am samstag bei einem fest zu ehren der jungfrau von tarabuco in dem kleinen örtchen tarabuco war, wo viele stämme und orte in traditioneller kleidung und musik getanzt und ihre jungfrau verehrt haben. eine augenweide. aber eins nach dem anderen...
meine wanderung beging ich zusammen mit chris, einem australier, den ich via couchsurfing kennegelernt hatte, und wir nach einem ersten beschnuppern beschlossen hatten, dass wir gut zusammen wandern gehen können. eine für mich wirklich überfällige tat, die zeit in dem hostel war inzwischen zu lang und zu deutsch.

vorausschauend wie man mich eben kennt ( (-;) ) habe ich mal all die sachen eingepackt, die mein reiserucksack so bietet: schlafsack, isomatte, biwaksack, tarpe, bandschlingen, karabiner, wassersack, wasseraufbereitungsmittel, schal, handschuhe, mütze, kocher, das übliche toiletten-zeugs, ein bisschen geld, karten der umgebung, gps-gerät, hirn, soweit vorhanden, und große laune... wo sollte es überhaupt hingehen mit all dem zeug? nun, grundsätzliches ziel unserer reise war Maragua, ein Dorf inmitten eines Kraters, von dem niemand mit sicherheit sagen kann, ob er vulkanischen oder meteoritischen ursprungs ist, aber man kann sagen, dass er 8 km im durchmesser misst.

Morgens früh um sechs trafen wir uns also in sucre an der haltestelle, von der aus ein laster (!) nach Quila Quila, ca. 25 km entfernt von sucre in den bergen, aufbrechen sollte. in Sucre allein sind für uns 63 menschen auf der ladefläche zählbar gewesen, wir konnten jedoch nicht alle sehen. und, wie schon altbekannt, wurden noch eben reifen gewechselt, natürlich, als schon alle passagiere auf der ladefläche waren. ich meine, das wechseln von reifen kurz vor abfahrt ist ein ritual für glück auf der fahrt. die ladefläche war so gestopft voll, dass wir uns kurzerhand dazu entschieden, auf die vordwäne zu klettern und dort oben platz zu nehmen. eine gute entscheidung! das machte die flussdurchquerung wegen fehlender brücke, die schotterpisten in die anden hinauf und den ausblick in die weite des landes zwar anstrengender, aber unsagbar beeindruckender! nach knapp 3 stunden waren wir in quila quila, in der mitte von nirgendwo, inmitten einer trockenen, wüstenähnlichen welt, die mich sofort in ihren bann nahm. so ungefähr wussten wir, wohin, und grüßten alle, die uns begegneten: schweine, esel, menschen. letztere fragten wir sicher auch nach dem weg, jedoch wird spanisch von den menschen dort ungefähr so gut beherrscht, wie von mir. Quechua müsste man können! aber freundlch waren sie allemal, und jegliche wege, die wir fälschlicherweise einschlugen, offenbarten uns unglaubliche ausblicke. ein ausgetrocknetes flussbett hinauf, umgeben von steiniger, trockener steppe. gut, dass ich 6 liter wasser auf dem rücken hatte. ein rucksack so schwer, dass ich nicht glaubte, ihn die tage über so tragen zu können. wie oft habe ich all das material verflucht, in gedanken! über umwege, die unsere laufzeit von 3 auf 7 stunden verlängert hatten, erreichten wir den krater von maragua, und die augen gingen mir über: innerhalb des kraters eine dünenlandschaft mit lila-rot-braunem sand, der krater selbst geformt aus muschelartigen steilwänden, die sich grün-gelb emporheben und über allem ein blauer himmel, dessen gelbe sonne erbarmungslos auf uns herabbrennt. wir geniessen unser trocken brot und bananen, die wir mitgebracht hatten und können uns kaum sattsehen. nachmittags zieht der himmel über dem krater zu und verwandelt alles in einen wetter-hexenkessel: regen peitscht, der wind pfeift uns um die ohren, die welt wird finster. mit etlichen problemen wegen der sprachbarriere schaffen wir es, eine unterkunft für die nacht zu bekommen, inklusive abendessen. ich bin hundemüde, habe schwere beine, hunger. gegen abend klart der himmel wieder auf und die farben des sonnenuntergangs umhüllen sanft alles, was sich um uns erhebt. ein weiches ende eines harten tages.

der nächste morgen beginnt für uns schon vor hahnenschrei uns esel-i-aa: zum sonnenaufgang erklimmern wir einen vulkan-stumpf, auf dessen plateau die maraguaner ihren friedhof errichtet haben. langsam und unaufhaltsam weicht die eiseskälte der nacht der macht der sonne, die sich zentimeter um zentimeter ihren weg über die berge bahnt.

wir brechen auf, um talula, ein "dorf" mit heissen quellen zum baden zu suchen, und ninu mayu, einem ort, an dem dinosaurierfussabdrücke zu begreifen sind. anstrengende aufstiege an den kraterrand, nachfragen, karte un gps werden genutzt, es hilft nichts, wir finden den weg nicht.atemberaubende aussichten auf die nächste bergkette hinter dem kraterrand, unerreichbar durch tiefe, steile schluchten von uns getrennt. es hilft nichts, nach 4 stunden geben wir diesen plan auf. die sonne brennt ohne gnade, wasser zum nachtanken gibt es nicht. essen kaufen war nicht möglich, außer mais-popcorn, von dem wir uns die nächsten 48 stunden ernähren sollten. die vernunft ließ uns im großen kreis zurückkehren nach maragua, das wir über den hauptzugangsweg verlassen wollten nach Chaunaca. eine 3-stündige wanderung, sagen die einheimischen. also wieder den krater rauf, um einige kurven und nicht-satt-sehen-können an den landschaften. und wieder, wetter-hexenkessel. doch diesmal schlägt es richtig zu. donner, blitz, heftiger regen, der in hagel und dann in schnee (!) übergeht. und auf einmal verfluchte ich mein material nicht mehr, sondern liebte es. unter einem baum bauten wir uns eine notunterkunft aus all den materialien, die ich mit rumschleppte. abwarten, hieß es, bis besserung käme. durch wippen und finger-kneten warm bleiben. versuchen, den schnee aufzufangen, um an wasser zu kommen. und auf einmal ertönt ein hupen. ein auto hatte angehalten und bot uns an, nach Chaunaca mit runterzunehmen, raus aus dem sauwetter. so flux als möglich packten wir unsere sachen und sprangen dankbar in eine surreale welt: 3 bolivianer, allesamt rauchend, sitzend in dem auto, dessen fenster so weit als möglich offen stehen, kaune coca, dass man meinen könnte, ihre backen müssten bald platzen, und im radio läuft: backstreetboys. unglaublich. der fahrer ist chef einer baufirma, die die wege dort oben zu befahrbaren pisten ausbauen soll. wir halten auf dem weg an einigen baustellen, an denen allesamt kinder schaffen und sich über seine zigaretten und coca-gaben freuen. und erneut müssen wir einen fluss durchqueren, der so tief ist, dass dafür die fenster geschlossen werden müssen. eine brücke gibt es nicht. später erfahren wir, dass dieser fluss zu fuss nur morgens durchquerbar ist. welch glück wir haben! in chaunaca entscheiden wir uns für entspannen in der hängematte, dem glück danken und unsere vorräte an mais-popcorn auffüllen. der kocher zaubert heißen ingwertee und uns kommt zu ohren, dass abends um 7 ein bus richtung potolo fahren soll, der ort, den wir eigetnlich zu fuss hätten erreichen wollen, nach den quellen und den dino-spuren. so ganz konnten wir nicht glauben, dass es diesen bus wirklich gibt, aber geduld war unsere stärke. noch vor einbruch der dunkelheit machten wir, zur sicherheit, einen schlafplatz ausfindig. aber der bus kam tatsächlich! eine stunde später erreichen wir besagten ort, entfernen uns 2 minuten von der plaza, dem hauptplatz dort, und finden wunderbare bäume, die die hängematte tragen und das tarpe als windschutz zwischen sich aufspannen lassen. ein erholsamer, notwendiger schlaf, der wiederum durch einen atemberaubenden sonnenaufgang mit esel und panflötenklänge sanft beendet wird. wir beobachten die bolivianer, die geschäftig ihre morgendlichen aufgaben erfüllen: wasser holen, zur schule eilen, schafe und ziegen treiben, getreide vom feld schneiden. wieder gehen mir die augen über. ein schlendern durch den ort, ein plausch hier, ein plausch da, und die information, dass der nächste bus zurück nach sucre erst wieder am nächsten morgen fahren würde. BHAM! welch schlag ins gesicht. wir überlegen hin und her. unser geld war knapp, unsere essensvorräte auch. wasser konnten wir immerhin auffüllen im fluss. wir fragen die frauen am platz, wie weit es zu fuss nach Chaunaca zurück sei: 5 h, bolivianisches lauftempo. und die sind flink, die einheimischen! wir entscheiden uns fürs loslaufen. nochmal maispopcorn aufgeladen und losgelaufen, erneut durch wüstenähnliche landschaft, in sengender hitze. immer die hoffnung im hinterkopf, ein auto käme vorbei und nähme uns mit. wir erreichen ein riesiges flussbett, in dem sich trocken und schüchtern ein letzter rest wasser seinen weg bahnt. einladend, um zu baden. wir klettern die 10 meter felsen hinab und springen ins kühle nass, erfrischen uns. und sehen ein auto nahen. so schnell wir konnten packten wir wieder alle sachen und kletterten die felsen hinauf - zu spät. das einzige auto, das seit 2 stunden an uns vorbeikam, hatten wir verpasst. erstaunlich guter dinge liefen wir also weiter, und es kam wieder ein auto. und das nahm uns auch mit. hitchhiken in bolivien: check. 3 stunden später mit den abdrücken einer pickup-ladefläche auf dem gesäß erreichten wir sucre, nachmittags um 3. was ein trip!puh, ich kann mit worten gar nciht wiedergeben, was ich alles erlebt und gefühlt habe in den 3 tagen. so viele gefühle dabei. freude, angst, glück, zufriedenheit, sorge, hunger, durst, kopfweh, erschöpfung, heimweh, sehnsucht, euphorie, erfurcht...

ich glaube, den teil über das fest in tarabuco muss ich auf morgen verschieben, ich schwelge noch in erinnerungen an diesen trip, der meinem ursprünglichen plan meines aufenthaltes in südamerika ziemlich nahe kam und bereite mich noch auf ein konzert einer der bekanntesten bolivianischen künstler vor: Kjarkas.


besos, chrissi

1 Kommentar:

  1. hey chrissi! hab durch zufall deinen Blog gefunden und gelesen...klingt ja alles total spannend und irre cool! Schicke dir ein bisschen Buddha Glueck und Mut aus Asien!

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